Bandscheibenvorfall

„Bandscheibenvorfall“ ist vermutlich einer der am häufigsten verwendeten Begriffe, wenn über Schmerzen im Bereich des Rückens gesprochen wird. Glücklicherweise haben Rückenschmerzen jedoch viel häufiger ganz andere Ursachen und „echte“ Bandscheibenvorfälle sind, verglichen mit der Häufigkeit von akuten oder chronisch wiederkehrenden Rückenschmerzen, selten.

Was sind die Bandscheiben?

Die Bandscheiben liegen, verteilt über die gesamte Wirbelsäule, jeweils zwischen zwei Wirbeln. Sie werden immer nach den beiden Wirbeln benannt, zwischen denen sie liegen – z.B. L3/4 (zwischen dem dritten und dem vierten Lendenwirbel).

Während die Wirbel aus (mehr oder weniger) hartem Knochenmaterial bestehen, sind die Bandscheiben aus weichen Materialien aufgebaut: Ein innerer, zähflüssig-gelartiger Gallertkern wird von einem mehrschichtigen, knorpeligen Faserring umgeben.

Bei einem Bandscheibenvorfall kommt es durch eine Schwäche des äußeren Faserrings zu einer Vorwölbung oder einem Austritt von Bandscheibengewebe in Richtung des Wirbelkanals. Dort verlaufen die Nervenbahnen, die zwischen den Wirbeln die Wirbelsäule verlassen und, im Fall der Lendenwirbelsäule, in die Beine hinunterziehen.
Je nachdem wie groß diese Vorwölbung oder der Austritt von Bandscheibengewebe ist, und je nachdem an welcher Stelle sich das Problem befindet, kann es zu unterschiedlichen Symptomen kommen[1].

Die klassischen Beschwerden sind Schmerzen die vom unteren Rücken oder vom Gesäß aus auf einer Seite hinunter ins Bein ziehen. Oft kommt es durch bestimmte Bewegungen und körperliche Belastung zu einer Verstärkung der Symptome – es gibt aber auch häufig Patienten die durch leichte Aktivität wie Spazierengehen oder Radfahren über eine Besserung der Schmerzen berichten und die Hauptprobleme eher beim ruhigen Sitzen und Liegen haben. Die Schmerzen können aber auch ausschließlich im Bein oder Fuß vorhanden sein, oder nur im Rücken ohne jegliche Ausstrahlung nach unten. Bei stärkeren oder schon länger bestehenden Reizungen der Nerven können zusätzlich Gefühlsstörungen (Taubheit, Kribbeln) oder eine Muskelschwäche im Bein hinzukommen. Echte hochgradige Lähmungen und Blasen-/Mastdarmstörungen können bei entsprechend großen Bandscheibenvorfällen ebenso auftreten, sind aber glücklicherweise eher selten.

Die Wahl der Behandlung hängt von der Dauer der Symptome, dem bisherigen Verlauf, der Art, Form, Größe und Lage des Bandscheibenvorfalls sowie dem Ansprechen auf die eventuell bisher schon versuchten Therapien ab. Außerdem muss berücksichtigt werden, ob zusätzlichen Veränderungen an der Wirbelsäule bestehen und wie genau diese aussehen.


[1] Janardhana AP, Rajagopal, Rao S, Kamath A. Correlation between clinical features and magnetic resonance imaging findings in lumbar disc prolapse. Indian J Orthop. 2010;44(3):263-269.

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