Stenose

Zahlreiche Ursachen können zu einer Stenose im Bereich der Wirbelsäule führen, der häufigste Grund für Operationen bei Senioren.

Sie leiden häufig unter Rückenschmerzen und können nicht mehr lange laufen? Eine Stenose, genauer eine Spinalkanalstenose, kann dafür verantwortlich sein. Dieser Begriff bezeichnet eine Verengung des Kanals, in dem das Rückenmark verläuft. Häufig gehen Verschleißerscheinungen mit Stenosen einher. Doch die Ursachen für eine spinale Stenose sind vielfältig. Was tun bei einer Stenose? Eine exakte Diagnose ist die Grundlage für die Therapie. Informieren Sie sich umfassend.

Stenose: Was ist das?

Das Wort Stenose bedeutet allgemein eine Verengung in Kanälen, Hohlorganen und Gefäßen. Stenosen in Blutgefäßen können zu Durchblutungsstörungen an den Beinen oder Herzbeschwerden führen. Stenosen an den hirnversorgenden Arterien können Funktionsstörungen des Gehirns und im Extremfall einen Schlaganfall verursachen. 

Was ist eine Stenose an der Wirbelsäule?

Bei einer Spinalkanalstenose ist der Kanal der Wirbelsäule verengt, in dem sich das Rückenmark befindet. Der niederländische Neurochirurg Henk Verbiest beschrieb als erster Mediziner im Jahr 1954 dieses Syndrom (1). Meist tritt die Stenose an der Lendenwirbelsäule auf, zwischen dem dritten und dem vierten oder dem vierten und dem fünften Lendenwirbelkörper. Eine Spinalkanalstenose an den Lendenwirbeln ist der häufigste Grund für Operationen an der Wirbelsäule bei Senioren (2). Eine spinale Stenose kann sich aber auch an der Halswirbelsäule oder an der Brustwirbelsäule bilden. 

Bei einer Spinalkanalstenose ist der Kanal der Wirbelsäule verengt
Spinalkanalstenose bzw. spinale Stenose in der Wirbelsäule im Detail

Stenosen: Weit verbreitet

Experten schätzen, dass bis zu 13 Prozent aller Menschen im Laufe ihres Lebens von Stenosen an der Wirbelsäule betroffen sein könnten. Das ist das Ergebnis der US-amerikanischen Framingham-Studie (3), die 2009 veröffentlicht wurde. Eine genaue Zahl zu ermitteln, ist schwierig. Als Grund dafür nennen die Wissenschaftler der Framingham-Studie den Umstand, dass es bisher keine allgemein akzeptierten Diagnosekriterien für spinale Stenosen gibt.

Foramenstenose an Nervenwurzeln

Neben der Verengung des Wirbelkanals gibt es die Foramenstenose, auch Neuroforamenstenose oder Rezessusstenose genannt. Bei diesen Stenosen ist nicht der zentrale Spinalkanal betroffen. Stattdessen werden die Wurzeln der Nerven beeinträchtigt, die das Rückenmark mit Gliedern und Organen verbinden. Der Begriff Rezessusstenose bezieht sich auf den sogenannten Recessus lateralis. Das ist die seitliche Stelle an den Wirbeln, wo die Nerven das Rückenmark verlassen. 

Wie entstehen Stenosen?

Bei spinalen Stenosen unterscheidet man zwischen einer angeborenen und einer erworbenen Stenose. Der häufigste Grund für spinale Stenosen bei älteren Menschen sind Verschleißerscheinungen an den Wirbeln (4). Starke Belastung durch langes Sitzen, Autofahren oder schwere, körperliche Arbeit fördert den Verschleiß der Lendenwirbelsäule besonders stark. Bei Bewegungen lastet hier das meiste Gewicht. 

Mit Stenosen assoziierte Krankheiten

Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule können sich in verschiedenen Krankheitsbildern bemerkbar machen. Neben einem Bandscheibenvorfall [link] oder einer Skoliose [link] kann auch eine Spondylolisthese [link] oder eine Osteochondrose [link] Verengungen im Wirbelkanal oder im Recessus lateralis verursachen. Mögliche Gründe für spinale Stenosen sind auch Knochenerkrankungen und Hormone (5). Dagegen scheint geringe Knochendichte eine eher untergeordnete Rolle zu spielen (6).

Arthrose und Synovialzysten

Darüber hinaus kann eine Arthrose der Wirbelgelenke dazu führen, dass sich die Knochenmasse vergrößert und auf Nerven drückt. Das bezeichnet man als Facettenhypertrophie. Bänder der Wirbelsäule können sich ebenfalls verdicken, die sogenannte Flavumhypertrophie. Außerdem können Synovialzysten die Entwicklung von Stenosen fördern. Dabei bildet die Gelenkschleimhaut der Wirbelgelenke einen Pseudotumor, auch Pseudozyste genannt, die meist mit Flüssigkeit gefüllt ist. 

Angeborene Stenosen

In seltenen Fällen ist die Wirbelkanalstenose angeboren. Manche Menschen kommen mit Wirbeln auf die Welt, bei denen die Knochen zwischen dem Wirbelgelenk und dem Wirbelkörper zu kurz sind. Das kann bereits in ganz jungen Jahren zu Beschwerden führen. Auch die Scheuermann-Krankheit (7), eine Wachstumsstörung der Wirbelsäule, kann Fehlhaltungen und Stenosen verursachen. 

Symptome: Wie merkt man eine Stenose?

Eine spinale Stenose kann sich in vielfältigen Symptomen äußern. Typisch sind neben Rückenschmerzen ziehende Schmerzen in den Beinen, die an der Vorder- oder der Rückseite auftreten können. Sie machen sich vor allem beim Gehen bemerkbar, aber auch beim Stehen. Diese Schmerzen bessern sich, wenn man sich hinsetzt oder den Oberkörper vorbeugt. Darin ähnelt die Stenose der Schaufensterkrankheit. Diese Haltung erweitert den Spinalkanal und verringert so vorübergehend den Reiz auf die Nervenstrukturen. 

Schwäche und Gefühlsstörungen

Patienten mit Rezessusstenose dagegen haben manchmal mehr Schmerzen im Ruhezustand oder nachts während der Bettruhe (8). Bei schweren Fällen von Spinalkanalstenose kann es zu Schwächegefühl und Gefühlsstörungen in den Beinen kommen, die Stürze auslösen können (9). Sogar Störungen der Blasen- und Mastdarmfunktion oder der Sexualorgane sind durch gereizte, entzündete Nervenbahnen infolge einer Stenose möglich. Im Extremfall kommt es zum Querschnittssyndrom mit Lähmungen der Beine.

Stenose: Was tun?

Der Besuch bei einem Orthopäden empfiehlt sich immer, wenn Rückenschmerzen nicht nach wenigen Tagen vergehen. Nur ein Experte wie Dr. Tuschel kann verschiedene Symptome exakt deuten und so eine Wirbelkanalstenose oder eine Foramenstenose diagnostizieren. Erster Schritt der Diagnose ist die Anamnese, ein ausführliches Gespräch zwischen Arzt und Patient. Dabei wird die individuelle Krankheitsgeschichte ebenso erörtert wie Krankheitsfälle in der Familie und das Auftreten sowie der Schweregrad von Symptomen. Als Wahlarzt hat Dr. Tuschel das Privileg, sich dabei ausreichend Zeit für seine Patienten nehmen zu können.

Untersuchungen für Diagnose

An die Anamnese schließt sich in der Regel eine genaue körperliche Untersuchung an. Mithilfe verschiedener Techniken ist es möglich, beispielsweise einen Bandscheibenvorfall zuverlässig festzustellen. Bildgebende Untersuchungen bilden den Abschluss der Diagnose. Neben einer Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel liefern Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) Erkenntnisse über den Zustand des Wirbelkanals, der Foramenöffnungen zwischen den Wirbelgelenken und der Nervenstrukturen.

Wie wird eine Stenose behandelt?

Sind die Beschwerden durch eine Stenose nicht zu schwer, kann sie konservativ behandelt werden (10) (11). Eine wichtige Rolle spielt dabei die Schmerztherapie, die meist mit rezeptfreien Medikamenten beginnt. Diclofenac, Paracetamol, Naxopren und Ibuprofen lindern Schmerzen und hemmen gleichzeitig Entzündungen. Allerdings bedeutet frei verkäuflich nicht, dass diese Medikamente frei von Nebenwirkungen sind (12) (13) (14). 

Helfen diese Medikamente nicht, kann der Arzt Opiode und Kortikoide verschreiben. Zusätzlich zur Schmerztherapie werden bei konventioneller Behandlung begleitende Maßnahmen wie Physiotherapie, Rückenschule, Wärmetherapie oder Elektrotherapie angewandt.

Infiltration bei Stenose

Statt Schmerzmittel oral einzunehmen, kann sie ein Arzt auch direkt in den schmerzenden Bereich einspritzen. Diese Technik nennt man Infiltration. Allerdings ist sie nicht geeignet für schwangere Frauen oder Patienten mit Herzschwäche, Grünem Star oder Diabetes. Werden gerinnungshemmende Medikamente eingenommen, muss im Einzelfall entschieden werden, inwieweit eine Infiltration durchgeführt werden kann.

CT-gezielte Infiltration bei Stenose

Eine besondere Form der Infiltration ist die sogenannte CT-gezielte Infiltration. Hierbei liegt der Patient auf dem Bauch im Computertomgraphiegerät. Es kann nun die verengte Stelle an der Wirbelsäule exakt markiert werden, und die Infiltrationsnadel milimetergenau an die korrekte Position gebracht werden. Das bedeutet, dass man mit dieser Methode viel mehr die eigentliche Ursache als nur das Symptom behandelt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Infiltrationen besteht hierdurch die Chance einer wesentlich besseren Schmerzlinderung und vor allem auch einer viel längeren WIrksamkeit – oft viele Monate lang.

Eine CT-gezielte Infiltration kann auch ambulant, ganz ohne Spitalsaufenthalt, durchgeführt werden

Operation bei Stenosen

Eine Laminotomie, auch Dekompression genannt, kann den Spinalkanal wieder erweitern. Dank Mikrochirurgie wird dafür ein operativer Zugang benötigt, der nur vier bis fünf Zentimeter lang ist. Im Verlauf der Operation werden Wucherungen an Knochen und Bändern abgetragen, die Spinalkanalstenosen verursachen oder für Einengungen der Nervenwurzeln verantwortlich sind. Diese Technik schont das Muskelgewebe. Außerdem erlaubt sie, gezielt Gewebe abzutragen, das die Stenose auslöst. Tragende Strukturen werden dabei so sparsam wie möglich entfernt.

Interspinöser Spacer

Manchmal reicht es, einen Platzhalter zwischen den Dornfortsätzen der Wirbel anzubringen. Dieser interspinöse Spacer [link] führt dazu, dass auf die Nerven kein Druck ausgeübt wird. 

Stabilisierungsoperation

Bei einer Spondylolisthese kann es notwendig sein, zusätzlich zur Dekompression eine Stabilisierung des Gleitwirbels [link] vorzunehmen. Dies empfiehlt sich auch, wenn eine fortgeschrittene Osteochondrose LINK vorliegt.

Ihr Wegweiser durch die OP

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Kommunikation ist das Schlüsselwort für Dr. Tuschel, um seine Patienten auf einen operativen Eingriff vorzubereiten. Eine genaue Erklärung der Operation macht es möglich, sich darauf einzustellen. Intensive Betreuung nach dem Eingriff ist für Dr. Tuschel selbstverständlich. Der Wegweiser durch die OP [link] erklärt Ihnen, welche Leistungen Sie von Ihrem Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie erwarten können.

Stenose: Wie lange im Krankenstand?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Der Aufenthalt im Krankenhaus kann bis zu einer Woche dauern, je nachdem, wie schwer der Eingriff war. Auf jeden Fall sollten Sie die Wirbelsäule nach einer Stenose-Operation mehrere Wochen lang nicht schwer belasten. Zusätzlich ist eine Nachbehandlung mit Physiotherapie angezeigt. Dabei wird zum einen rückengerechtes Verhalten vermittelt. Zum anderen werden stabilisierende Übungen trainiert. Eine gut ausgebildete Rückenmuskulatur stützt die Wirbel und wirkt weiteren Abnutzungserscheinungen entgegen. 

Sie haben den Verdacht, an einer spinalen Stenose zu leiden? Oder Sie brauchen weitere Informationen zu diesem Thema? Kontaktieren Sie uns. Wir nehmen uns gerne Zeit für Sie.

  1. VERBIEST H. A radicular syndrome from developmental narrowing of the lumbar vertebral canal. J Bone Joint Surg Br. 1954 May;36-B(2):230-7. PubMed PMID: 13163105. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/13163105)
  2. Steurer J, Nydegger A, Held U, Brunner F, Hodler J, Porchet F, Min K, Mannion AF, Michel B; LumbSten Research Collaboration. LumbSten: the lumbar spinal stenosis outcome study. BMC Musculoskelet Disord. 2010 Nov 2;11:254. doi: 10.1186/1471-2474-11-254. PubMed PMID: 21044326; PubMed Central PMCID: PMC2987977. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2987977/)
  3. Kalichman L, Cole R, Kim DH, Li L, Suri P, Guermazi A, Hunter DJ. Spinal stenosis prevalence and association with symptoms: the Framingham Study. Spine J. 2009 Jul;9(7):545-50. doi: 10.1016/j.spinee.2009.03.005. Epub 2009 Apr 23. PubMed PMID: 19398386; PubMed Central PMCID: PMC3775665. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3775665/)
  4. Genevay S, Atlas SJ. Lumbar spinal stenosis. Best Pract Res Clin Rheumatol. 2010 Apr;24(2):253-65. doi: 10.1016/j.berh.2009.11.001. PubMed PMID: 20227646; PubMed Central PMCID: PMC2841052. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2841052/)
  5. Li H, Jiang LS, Dai LY. Hormones and growth factors in the pathogenesis of spinal ligament ossification. Eur Spine J. 2007 Aug;16(8):1075-84. doi: 10.1007/s00586-007-0356-4. Epub 2007 Apr 11. PubMed PMID: 17426989; PubMed Central PMCID: PMC2200765. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2200765/)
  6. Andersen T, Christensen FB, Langdahl BL, Ernst C, Fruensgaard S, Østergaard J, Andersen JL, Rasmussen S, Niedermann B, Høy K, Helmig P, Holm R, Egund N, Bünger C. Degenerative spondylolisthesis is associated with low spinal bone density: a comparative study between spinal stenosis and degenerative spondylolisthesis. Biomed Res Int. 2013;2013:123847. doi: 10.1155/2013/123847. Epub 2013 Aug 19. PubMed PMID: 24024179; PubMed Central PMCID: PMC3760191. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3760191/)
  7. Tallroth, Kaj & Schlenzka, Dietrich. (1990). Spinal stenosis subsequent to juvenile lumbar osteochondrosis. Skeletal Radiology. 19. 203-205. 10.1007/BF00204096. (https://www.researchgate.net/publication/226912464_Spinal_stenosis_subsequent_to_juvenile_lumbar_osteochondrosis)
  8. Lee SY, Kim TH, Oh JK, Lee SJ, Park MS. Lumbar Stenosis: A Recent Update by Review of Literature. Asian Spine J. 2015 Oct;9(5):818-28. doi: 10.4184/asj.2015.9.5.818. Epub 2015 Sep 22. PubMed PMID: 26435805; PubMed Central PMCID: PMC4591458. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4591458/)
  9. Kim HJ, Chun HJ, Han CD, Moon SH, Kang KT, Kim HS, Park JO, Moon ES, Kim BR, Sohn JS, Shin SY, Jang JW, Lee KI, Lee HM. The risk assessment of a fall in patients with lumbar spinal stenosis. Spine (Phila Pa 1976). 2011 Apr 20;36(9):E588-92. doi: 10.1097/BRS.0b013e3181f92d8e. PubMed PMID: 21242866. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21242866)
  10. Theodoridis T, Krämer J, Kleinert H. [Conservative treatment of lumbar spinal stenosis–a review]. Z Orthop Unfall. 2008 Jan-Feb;146(1):75-9. Doi: 10.1055/s-2007-989394. Review. German. PubMed PMID: 18324586. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18324586)
  11. Onel D, Sari H, Dönmez C. Lumbar spinal stenosis: clinical/radiologic therapeutic evaluation in 145 patients. Conservative treatment or surgical intervention? Spine (Phila Pa 1976). 1993 Feb;18(2):291-8. PubMed PMID: 8441947. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8441947)
  12. Wise Jacqui. Diclofenac and ibuprofen are associated with increased risk of cardiac arrest BMJ 2017; 356 :j1358 (https://www.bmj.com/content/356/bmj.j1358)
  13. Roberts E, Delgado Nunes V, Buckner S, Latchem S, Constanti M, Miller P, Doherty M, Zhang W, Birrell F, Porcheret M, Dziedzic K, Bernstein I, Wise E, Conaghan PG. Paracetamol: not as safe as we thought? A systematic literature review of observational studies. Ann Rheum Dis. 2016 Mar;75(3):552-9. Doi: 10.1136/annrheumdis-2014-206914. Epub 2015 Mar 2. Review. PubMed PMID: 25732175; PubMed Central PMCID: PMC4789700. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25732175)
  14. A study of naproxen and ibuprofen in patients with osteoarthritis seen in general practice. The Manchester General Practitioner Group. Curr Med Res Opin. 1984;9(1):41-6. PubMed PMID: 6373158. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/6373158)
Scroll to Top